Rund ums Auge

Das Auge funktioniert wie ein Fotoapparat

Es gibt ein Objektiv (Hornhaut, vordere Augenkammer, Augenlinse), welches das Bild entwirft und einen „Film“ oder „Chip“ (Netzhaut) der das Bild aufnimmt.

Passen die Abstände vom abzubildenden Gegenstand nicht zu den Abbildungsmöglichkeiten des Objektivs und kann man das Objektiv nicht wechseln, kann man die Verhältnisse durch eine Vorsatzlinse so anpassen, dass wiederum ein scharfes Bild auf dem Film/Chip entsteht.

Bei einer Fehlsichtigkeit haben wir das gleiche Problem und als Vorsatzlinse nutzen wir die Brille oder Kontaktlinsen.

Die Anpassung von Brillen

Bei der Korrektur einer Fehlsichtigkeit ist die Brille das am häufigsten und längsten eingesetzte Hilfsmittel. Des Weiteren kommen aber auch Kontaktlinsen und operative Verfahren wie Laserbehandlung und Intraokularlinsen in Betracht.

Die Bestimmung der Korrekturwerte erfolgt durch eine subjektive Beurteilung verschiedener Gläser durch den Patienten für jedes Auge einzeln. Es werden dazu immer 2 Gläser zur Wahl gestellt und der Patient muss mitteilen, mit welchem der beiden Gläser er die Sehzeichen besser, klarer, deutlicher erkennen kann. (Die Sehzeichen sind in ihrer Grösse bezogen auf die Prüfentfernung – meist > 5m – genormt.) Die Brillenglasbestimmung wird beendet, wenn es kein besseres Glas, als das zuletzt gefundene, gibt. Die so gefundenen Werte sind Grundlage für alle Hilfsmittel und Korrekturen der Fehlsichtigkeiten.
Brillengläser

Brillengläser

  • Mineralglas – war früher Standard, ist relativ schwer, härter als die meisten Kunststoffe und damit etwas weniger kratzempfindlich als Kunststoffgläser. Allerdings, wegen der (früher) stärkeren Brechungseigenschaften meist auch dünner.
  • Kunststoffgläser – sind heute Standard, wesentlich leichter als Mineralglas und mittlerweile bei den optischen Eigenschaften dem Mineralglas sogar überlegen. Moderne Kunststoffgläser sind durch besondere Zusammensetzung und Materialbehandlung kaum kratzempfindlicher oder dicker als vergleichbare Mineralgläser.
  • Einstärkengläser „monofokal“ ((von lat. mono für eins und focus für Brennpunkt) kennzeichnet für wieviel unterschiedliche Entfernungen das Glas hergestellt wurde. Ein Monofokalglas ist also nur auf eine Entfernung eingestellt. Typ: Fernbrille oder Lesebrille

  • Mehrstärkengläser „multifokal“ ((von lat. multi für mehrere und focus für Brennpunkt) kennzeichnet für wieviel unterschiedliche Entfernungen das Glas hergestellt wurde.

    Bifokal und Trifokal
    Diese Gläser haben 2 (Bifokal) oder 3 (Trifokal) Zonen für unterschiedliche Entfernungen. Vor der Zeit der Multifokalgläser waren dies die typischen Brillengläser für Menschen, die die aufgrund der Altersichtigkeit (Presbyopie) eine kombinierte Brille für die Weite und zum Lesen in einer Brille nutzten. Diese Gläser sieht man heute eher selten. Einerseits weil die Multifokalgläser (siehe unten) heute der Standard sind und andererseits weil es nur wenige Menschen gibt, die damit nicht zurechtkommen, aber dennoch nur eine Brille haben möchten.

    Multifokal (Gleitsicht / Varilux®)
    Diese Gläser haben die vorgenannten 2- und 3-Stärkengläser mittlerweile fast vollständig verdrängt. Im Alltag dominiert dabei die „klassische“ Gleitsichtbrille, die für die Weite und Nähe (Lesen/Handarbeiten) gleichermassen geeignet ist. Es ist gewissermassen die Universalbrille. Richtig angepasst möglich sie dem Träger ein komfortables Sehen in jeder Entfernung. Für speziellere Arbeiten gibt es aber auch zusätzlich speziellere Ausführungen, wie z.B. die PC-Brille oder Raumdistanzbrille.

  • Prismatische Gläser - Diese Gläser haben eine Sonderstellung unter den Brillengläsern, da sie die Augenstellung beeinflussen. Sie können in Kombination mit allen anderen Brillengläsern angewandt werden. Prismatische Brillengläser werden z.B. zur Stellungskorrektur beim Schielen – besonders bei Kindern – zur Vermeidung von Doppelbildern eingesetzt. Gelegentlich werden prismatische Gläser aber auch von Optikern angepasst, die damit einen besondern „Komfort“ bieten möchten. Dies mag in Einzelfällen auch mal gelingen, da aber durch nicht optimal angepasste prismatische Gläser eine Schielstellung eben auch verstärkt werden kann – bis zur Notwendigkeit einer Schieloperation! – gehört die Anpassung von prismatischen Gläsern in die Hände erfahrener Augenärzte!

Gründe eine Brille zu tragen können neben der Korrektur einer Fehlsichtigkeit auch der Schutz der Augen vor Staub/Schmutz, Fremdkörpern und Strahlungen (UV, Infrarot …) sein. Die wohl bekannteste und verbreitetste ist dabei wohl die

  • Sonnenbrille deren erste und wichtigste Aufgabe es ist die Augen vor den schädlichen UV-Strahlungen zu schützen. Erst in zweiter Linie kommt die Abdunklung. Eine dunkle Brille ohne UV-Schutz ist schädlich und gehört entsorgt! Dies gilt ganz besonders für Kindersonnenbrillen! Bedenken Sie bitte, dass sich hinter der dunklen Brille die Pupillen erweiterten – es kommt schliesslich weniger sichtbares Licht ans Auge. Besteht dann kein UV-Schutz gelangt durch die weiteren Pupillen mehr UV-Licht ins Auge als dies ohne die dunkle Brille der Fall wäre.

  • Schutzbrillen zum Schutz vor dem Eindringen von Fremdkörpern, Flüssigkeitsspritzern usw. sollten immer dann getragen werden, wenn sich in einem Raum aufhält oder Arbeiten ausführt, wo die Gefahr besteht, dass Fremdkörper, Flüssigkeiten oder schädliche Gase die Augen gefährden können. Je nach Anforderung an die Umgebung/Arbeitsplatz kommen Gläser mit besonderer Bruchfestigkeit – auch in Verbindung mit Korrekturgläsern zum Einsatz.
Kontaktlinsen haben, wie der Name schon sagt, Kontakt zum Auge, also anders als ein Brillenglas keinen Abstand zum Auge. Daraus ergeben sich, neben der zwingenden Notwendigkeit besonderer Hygiene im Umgang damit, auch etwas andere Abbildungseigenschaften. Während Brillengläser, insbesondere bei stärkeren Korrekturwerten, die Abbildungsgrösse verändern, ist dies bei den Kontaktlinsen nur in einem vernachlässigbaren Mass der Fall. Auch bei Kontaktlinsen gibt es inzwischen eine weite Spanne an Materialien und Formen für verschiedene Einsatzzwecke für unterschiedliche Tragzeiten und besonderen Eigenschaften.

Für Menschen mit einer Sehbehinderung gibt es mittlerweile verschiedenste vergrössernde Sehhilfen, wie z.B. Lupen, Lesesteine, Lesestäbe, Lupenbrillen, Gallileisysteme. Zunehmend häufig werden diese aber durch elektronische Vergrösserungsmittel wie Smartphone oder Tabletcomputer mit integrierter Kamera ersetzt.

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