Netzhauterkrankungen

Die Funktionsweise unserer Augen

Wie bei der Beschreibung der Fehlsichtigkeiten bereits beschrieben, ist das menschliche Auge im Aufbau und Funktion mit einem Fotoapparat zu vergleichen. Dabei entspricht der vordere Augenabschnitt (Hornhaut, vordere Augenkammer und Linse) dem Objektiv und die Netzhaut (Retina) dem Film oder Chip, der das Bild aufnehmen soll.

Anders als beim Fotoapparat ist dabei aber die Netzhaut nicht in ihrer gesamten Fläche gleich empfindlich und auch das Auflösungsvermögen, also die Anzahl der Bildpunkte pro Flächeneinheit, ist vom Zentrum der Netzhaut, der Makula, nach aussen stark abnehmend. Dadurch sinkt die Sehschärfe bereits in kurzer Distanz zur Makula auf weniger als 10% ab.

Die Rezeptoren

Zudem finden sich im Zentrum hauptsächlich Rezeptoren (Zapfen) für die Grundfarben (Rot, Grün und Blau) dicht gedrängt und einzeln geschaltet, während in den weiter aussen gelegenen Netzhautbereichen fast ausschliesslich Rezeptoren für Licht – „Schwarz-Weiss“ – (Stäbchen) zu finden sind. Diese sind im Gegensatz zu den Zapfen in Gruppen verschaltet die mit zunehmender Entfernung vom Zentrum immer grösser werden. In der Makula ist die Zapfendichte so gross, dass bereits ein feinstes Blutgefäss, das darüber verläuft, die Sehschärfe mindestens halbieren würde. Darum finden sich in der Makula keine Blutgefässe.

Durch die Zusammenschaltung der Stäbchen in, nach aussen immer grösseren, Gruppen steigt die Lichtempfindlichkeit und Bewegungswahrnehmung stark an während die Sehschärfe umgekehrt dazu stark abnimmt, ebenso wie die Farbwahrnehmung.

Weil die Zapfen (Farbe) deutlich mehr Licht zum Funktionieren benötigen als die Stäbchen (Helligkeit), so erleben wir regelmässig einen Ausfall der Farbwahrnehmung bei zunehmender Dunkelheit. Unterschreitet die Helligkeit den Mindestwert für das Arbeiten der Zapfen, fällt einerseits die Farbwahrnehmung aus – daher sind nachts alle Katzen grau – anderseits sinkt auch die Sehschärfe auf etwa 10% ab.

Nun zu den häufigsten Netzhauterkrankungen

Makuladegeneration

Makuladegeneration – bezeichnet eine Gruppe von Erkrankungen die das Zentrum der Netzhaut betreffen. Die wohl bekannteste ist die altersabhängige Makuladegeneration. Sie betrifft, wie der Name schon sagt, überwiegend ältere Menschen, meist jenseits des 60. Lebensjahres. Es gibt aber auch Formen die schon in jüngeren Jahren auftreten können. Weiter sind die trockene und die feuchte Form zu unterscheiden.

Der Beginn ist meist schleichend. Häufig treten zunächst eine leichte Verringerung der Sehschärfe und leichte Verzerrungen auf. Im weiteren Verlauf werden diese dann stärker und im Zentrum entsteht ein grauer Fleck der im Laufe der Zeit grösser und dunkler wird (zentraler Gesichtausfeldausfall). Betroffene haben dann zunehmend Mühe beim Lesen. Des Weiteren kommt es zu vermehrter Blendempfindlichkeit, verminderter Kontrast- und Farbwahrnehmung. Zu unterscheiden ist die trockene Form der Makuladegeneration von der feuchten Form.

Die trockene Form der Makuladegeneration führt zu einem langsamen schleichenden irreversiblen Verfall der Sinneszellen im Netzhautzentrum und Umgebung. Eine Therapie dafür befindet sich noch in der Erforschung, ist derzeit aber noch nicht verfügbar. Demgegenüber steht die feuchte Makuladegeneration mit einem raschen Verlauf. Hier hat sich die Einspritzung von Medikamenten in den Augapfel als sehr hilfreich erwiesen.

Für Diagnose, Differenzierung und Verlaufsbeobachtung der Makuladegeneration hat sich die Optische Cohärenz Tomographie inzwischen als Standarduntersuchung etabliert.

Hier ein Beispiel für eine feuchte Makuladegeneration. Links OCT-Schnitt-bilder

rechts eine Fundusaufnahme einer feuchtenMakuladegeneration im Endstadium (Vernarbung)

Diabetische Retinopathie/Makulopathie

Diabetische Retinopathie/Makulopathie – Die Zuckerkrankheit ist in den westlichen Ländern eine der häufigsten Erblindungsursachen. Ein dauerhaft erhöhter Blutzuckerspiegel schädigt die Blutgefässe und führt mittelfristig zu Durchblutungsstörungen. Die feinsten Blutgefässe, wie sie z.B. im Auge zu finden sind, werden dabei zuerst geschädigt. Es kommt dann zu Gefässaussackungen (Mikro-Aneurysmen) und zu Austritten von zunächst flüssigen und später auch festen Blutbestandteilen (Exsudationen). Im weiteren Verlauf kann es dann auch zu Blutungen in die Netzhaut und den Glaskörper und Gefässneubildungen in der Netzhauthaut kommen. Weitere Folgen können auch ein Sekundärglaukom und eine Netzhautablösung sein.

Diabetische Retinopathie

OCT Schnittbild der Netzhaut – diabetische Netzhautschwellung

Retinale Gefässverschlüsse

Retinale Gefässverschlüsse – Überwiegend bei älteren Menschen, aber auch bei jüngeren, kann ein Flüssigkeitsmangel zu einer Verklumpung des Blutes führen. Dabei können kleinste Blutgerinnsel, in den Äderchen der Augen stecken bleiben und diese verstopfen. Meist sind davon die abführenden Gefässe – Venen/Venolen – betroffen, seltener die zuführenden Gefässe – Arterien/Arteriolen. Bei einem venösen Verschluss kommt es zu einem Rückstau des Blutes. In der Folge wird die Netzhaut überschwemmt, es kommt zu einer Schwellung der Netzhaut und zu typischen streifigen Blutungen.

Netzhautablösung

Die Netzhaut ist mit der Augenwand nicht fest verwachsen, sondern schwimmt auf einem dünnen Flüssigkeitsfilm durch Kapillarkräfte gehalten, etwa so wie eine nasse Plastikfolie an der  Fensterscheibe. Durch Risse oder Löcher in der Netzhaut können flüssige Bestandteile des Glaskörpers in den Spalt eindringen und diesen soweit vergrössern, dass die Kapillarkräfte zusammenbrechen und die Netzhaut sich ablöst. Ebenso können Narbenzüge, z.B. bei einer durch Diabetes ausgelösten Netzhauterkrankung, eine Ablösung bewirken. Häufig sind „Blitze“, „Russregen“ oder Gesichtsfeldeinschränkungen (Schatten) erste Hinweise auf eine beginnende oder bereits fortschreitende Netzhautablösung

Das Bild zeigt eine weitgehend abgelöste Netzhaut mit vielen Löchern und Knitterfalten, da die Ablösung schon etwas länger besteht. Lediglich der rötliche Bereich im Zentrum liegt noch an, die übrige Netzhaut hat sich bereits abgelöst. Die Ablösung reicht hier schon bis an die Makula.

Dr. med. Götz Kamin
Facharzt FMH für Augenheilkunde

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Dr. med. Götz Kamin
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