Grüner Star (Glaukom)

Der Begriff Glaukom bezeichnet eine Gruppe von Erkrankungen des Sehnerven, die zu einem schleichenden, irreversiblen Verlust von Nervenfasern führen.

Meist geht mit dem grünen Star mit erhöhtem Augendruck einher, es gibt aber auch Glaukomformen mit normalem Augendruck und nicht jeder erhöhte Augendruck ist auch gleichzusetzen mit einem Glaukom. Ein normaler Augendruck ist keine Gewähr für einen gesunden Sehnerv!

Weltweit wird die Zahl der Glaukomkranken auf etwa 70 Millionen geschätzt. In der Schweiz sind rund 2,5% der Bevölkerung betroffen. In den Industrieländern wird der Anteil von Glaukomkranken, die es nicht wissen oder nie davon gehört haben oder die Bedeutung nicht verstanden haben, auf ca. 50% geschätzt – in den Entwicklungsländern ca. 90%

Das Auge ist letztlich ein Ballon und benötigt wie jeder Ballon einen inneren Druck, um Form und Grösse zu erhalten. Dieser Druck darf weder zu niedrig, noch zu hoch sein. Zur Ernährung von Hornhaut und Linse produziert das Auge eine klare Flüssigkeit (Kammerwasser). Verbrauchtes Kammerwasser muss aus dem Auge wieder abfliessen. Ist der Abfluss gestört, erhöht sich der Druck im Auge. Durch den erhöhten Druck im Auge kann der Sehnerv – die Verbindung vom Auge zum Gehirn – geschädigt werden.

Beginn und Verlauf

Grundsätzlich kann die Erkrankung in jedem Alter, also auch schon bei Kindern, auftreten. Ist sie in den jüngeren Jahren noch relativ selten, steigt die Häufigkeit ab dem 40. Lebensjahr aber deutlich an.

Der Verlauf ist in den meisten Fällen schmerzfrei und schleichend, so dass die Erkrankung vom Betroffenen erst sehr spät bemerkt wird. Dann sind aber bereits irreparable Schäden eingetreten.

Die Schäden am Sehnerven wirken sich dabei zunächst vor allem auf das Gesichtsfeld aus. Unerkannt und unbehandelt werden die Ausfälle im weiteren Verlauf immer grösser, bis schliesslich auch das zentrale Sehen beeinträchtigt wird und die Sehschärfe abnimmt, kurz bevor die Erblindung des Auges eintritt.

Beim deutlich selteneren Glaukomanfall kann der Augendruck aber auch sprunghaft stark ansteigen. Dann kommt es zu starken Kopfschmerzen mit Übelkeit (auch Erbrechen) sowie Verschwommensehen mit farbigen Ringen um Lichtquellen. In so einem Fall ist Eile geboten, da durch einen sehr hohen Druck der Sehnerv innerhalb kurzer Zeit irreparabel schwer geschädigt wird!

Risikofaktoren und Ursachen

Hoher Augendruck
Alter
Familiäre Belastung
Ethnische Zugehörigkeit
Kurzsichtigkeit (Myopie) und starke Weitsichtigkeit (Hyperopie)
Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) und Gefässverschlüsse
Langzeitbehandlung mit Kortison oder anderen Medikamenten
Ernstere Augenverletzungen oder frühere Augenoperationen
Schwere Entzündungen im Auge
Durchblutungsfehlregulationen
 Nikotin und Alkohol

Untersuchungen

Augendruckmessung (Tonometrie)

Die am meisten verwendete Methode ist die Goldmann Applanations Tonometrie. Hier wird nach einer leichten Betäubung der Hornhautoberfläche der Augendruck mit einem Messkölbchen auf der Hornhaut gemessen.

Sehnervenkopfbeurteilung (Ophthalmoskopie)

Mittels Spaltlampenmikroskop und Lupe (Bild links) wird der Sehnervenkopf (Papille) beurteilt. Das Bild in der Mitte zeigt einen gesunden Sehnervenkopf. Im rechten Bild ist ein glaukomgeschädigter Sehnervenkopf mit Randblutung zu sehen

Gesichtsfeldmessung (Perimetrie)

Das Gesichtsfeld umfasst alles, was man sieht, wenn man auf einen Punkt oder ein Objekt schaut. Das Bild links zeigt ein typisches Gerät zur Gesichtsfeldmessung. Das rechte Bild zeigt das Ergebnis bei einem bereits durch die Glaukomerkrankung geschädigten Sehnerven.

Kammerwinkelbeurteilung (Gonioskopie)

Die Beurteilung des Kammerwinkels – das ist der Winkel zwischen Hornhautrückfläche und Vorderseite der Regenbogenhaut - erfolgt meistens mit einem Spiegelkontaktglas, das auf die Hornhaut aufgesetzt wird und so einen Blick in den Kammerwinkel ermöglicht oder mit der Optischen Cohärenz Tomographie (OCT) oder mittels Ultraschall-Biomikroskopie

Hornhautdickenmessung (Pachymetrie)

Die mittlere Hornhautdicke beträgt etwa 550µ. Wir messen die Hornhautdicke berührungs- und schmerzfrei mittels Optischer Cohärenz Tomographie (OCT)

Sehnervenkopfvermessung

mit dem Heidelberger Retina Tomograph (HRT)

Das Bild zeigt einen typischen Befund bei fortgeschrittenem Glaukomschaden.

Netzhautvermessung

mittels SLO (Scanning Laser Ophthalmoskop)

Im Bild sieht man die Darstellung der Nervenfaserschicht in der Netzhaut. Links bei fortgeschrittenem Glaukom, rechts gesunde Nervenfaserschicht.

Behandlung

Die primäre Behandlung des Glaukoms besteht in einer Drucksenkung – zunächst mit Augentropfen, die ein oder mehrmals täglich getropft werden müssen.

Laser

Ist die Drucksenkung mit Augentropfen nicht durchführbar, unverträglich oder nicht ausreichend kann eine Drucksenkung auch mittels Laserung im Kammerwinkel erreicht werden.

Operationen

Sind alle anderen Möglichkeiten de Augendruck zu senken ausgeschöpft und nicht hinreichend erfolgreich, kann der Augendruck auch mit chiurgischen Verfahren gesenkt werden. Dabei wird meist für das Kammerwasser ein zusätzlicher künstlicher Abflussweg geschaffen.

Die Operation des Glaukoms führt ausschliesslich zur Senkung des Augendruckes. Verlorene Nervenfasern werden dadurch aber nicht wiederhergestellt.
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